
Elektrische Ladung – Ursprung der Elektrizität
Die elektrische Ladung ist der grundlegende Ursprung aller elektrischen Erscheinungen.
Obwohl in der Elektrotechnik häufig Größen wie Strom (Ampere) und Spannung (Volt) im Vordergrund stehen, ist es letztlich die Existenz und Bewegung elektrischer Ladungen, die elektrischen Strom überhaupt erst möglich macht.
Elektrische Ladung ist eine fundamentale Eigenschaft von Teilchen, durch die sie elektrische Kräfte erzeugen und auf elektrische Felder reagieren können. Ohne elektrische Ladung gäbe es keinen Strom, keine Spannung und keine funktionierenden elektronischen Schaltungen.
Strom – Bewegung elektrischer Ladungen
Elektrischer Strom ist definiert als die gerichtete Bewegung elektrischer Ladungen.
In metallischen Leitern sind dies nahezu ausschließlich Elektronen, die eine negative Ladung besitzen.
- Stromstärke wird in Ampere (A) gemessen
- 1 Ampere entspricht dem Transport von 1 Coulomb Ladung pro Sekunde
In der klassischen Elektrotechnik wird der Stromfluss konventionell als Bewegung positiver Ladungen von Plus nach Minus dargestellt.
Physikalisch bewegen sich jedoch die Elektronen von Minus nach Plus.
Diese Stromrichtungskonvention stammt aus der Zeit, als die Natur der Elektrizität noch nicht vollständig verstanden war, und wird bis heute beibehalten, da sie:
- Schaltpläne vereinheitlicht
- Berechnungen vereinfacht
- Kirchhoffsche Regeln konsistent anwendbar macht
Wichtig: Die Rechnungen bleiben korrekt, unabhängig davon, ob man die reale Elektronenbewegung oder die technische Stromrichtung betrachtet.
Ein Strom kann nur fließen, wenn ein geschlossener Stromkreis vorhanden ist.
Ist der Stromkreis unterbrochen (z. B. durch einen Schalter), kommt der Stromfluss zum Erliegen.
Spannung – Antrieb der Ladungen
Damit sich Elektronen bewegen, ist eine treibende Kraft erforderlich. Diese wird als elektrische Spannung bezeichnet und in Volt (V) gemessen. Die Spannung beschreibt den Unterschied im elektrischen Potential zwischen zwei Punkten. Anschaulich lässt sie sich mit einem Druck vergleichen, der die Elektronen dazu bringt, sich durch den Leiter zu bewegen.
Ohne Spannung keine gerichtete Bewegung der Ladungen – und damit kein Strom.
Typische Spannungsquellen im Stromkreis
Chemische Spannungsquellen
- Batterien
- Akkumulatoren
liefern Gleichspannung
mobil, begrenzte Energie
Elektronische Spannungsquellen
- Netzteile
- Labornetzgeräte
stabile, einstellbare Spannungen
weit verbreitet in Elektronik und Entwicklung
Elektromechanische Spannungsquellen
- Generatoren
- Dynamos
wandeln mechanische in elektrische Energie um
liefern Gleich- oder Wechselspannung
Erneuerbare Spannungsquellen
- Solarzellen
- Brennstoffzellen
abhängig von Umweltbedingungen
wichtig für mobile und vernetzte Systeme
Ideale und reale Spannungsquellen
Ideale Spannungsquelle
- konstante Spannung
- unabhängig vom entnommenen Strom
- kein Innenwiderstand
existiert nur als theoretisches Modell
Reale Spannungsquelle
- besitzt einen Innenwiderstand
- die Ausgangsspannung sinkt bei steigender Belastung
- begrenzte maximale Stromabgabe
alle realen Spannungsquellen verhalten sich so
Innenwiderstand der Spannungsquelle
Der Innenwiderstand beeinflusst:
- die tatsächlich verfügbare Spannung am Verbraucher
- die maximale Stromstärke
- die Verlustleistung innerhalb der Spannungsquelle
Je höher der Strom, desto größer ist der Spannungsabfall am Innenwiderstand.
Punktladungen und Elektrostatik
Zur theoretischen Beschreibung elektrischer Wechselwirkungen werden Elektronen häufig als Punktladungen modelliert. Die Elektrostatik beschäftigt sich mit ruhenden elektrischen Ladungen, deren Verteilung und den Kräften zwischen ihnen.
Grundlage ist das Coulombsche Gesetz:
- Die Kraft zwischen zwei Ladungen ist direkt proportional zum Produkt ihrer Ladungen
- Sie ist umgekehrt proportional zum Quadrat ihres Abstands
Verdoppelt sich der Abstand, verringert sich die Kraft auf ein Viertel.
Die Einheit der elektrischen Ladung ist das Coulomb (C):
- 1 Coulomb entspricht der Ladungsmenge, die bei einem Strom von 1 Ampere in 1 Sekunde transportiert wird
Atomarer Ursprung der elektrischen Ladung
Atomaufbau (nach dem Bohrschen Modell)

Darstellung KI generiert nach eigenen Vorgaben
Ein Atom besteht aus:
- einem Atomkern mit
- Protonen (positiv geladen)
- Neutronen (neutral)
- einer Atomhülle mit Elektronen (negativ geladen)
Die Protonenzahl bestimmt:
- die Ordnungszahl
- das chemische Element
In einem neutralen Atom ist die Anzahl der Elektronen gleich der Anzahl der Protonen.
Positive und negative Ladung
- Positive Ladung wird von Protonen im Atomkern getragen
- Negative Ladung wird von Elektronen getragen
Gleiche Ladungen:
- stoßen sich ab
Ungleiche Ladungen:
- ziehen sich an
Elektrische Neutralität und Ionen
Ein Objekt ist elektrisch neutral, wenn gleich viele positive und negative Ladungen vorhanden sind.
Verlieren oder gewinnen Atome Elektronen, entstehen Ionen:
- Kation → positiv geladen (Elektronenverlust)
- Anion → negativ geladen (Elektronenaufnahme)
Diese Vorgänge sind grundlegend für:
- elektrische Leitfähigkeit
- chemische Reaktionen
- Halbleiterphysik
Zusammenfassung (Merkkasten)
- Elektrische Ladung ist die Grundlage aller elektrischen Phänomene
- Strom ist die gerichtete Bewegung von Ladungen
- Spannung ist die antreibende Ursache dieser Bewegung
- Elektronen tragen negative, Protonen positive Ladung
- Gleichnamige Ladungen stoßen sich ab, ungleichnamige ziehen sich an
- Stromfluss erfordert einen geschlossenen Stromkreis
Weiterführende Materialien
Formelsammlungen & Übersichten
- Elektrotechnik-Formelsammlung (PDF):
https://www.ffl-rieger.de/downloads/elektrotechnikformelsammlung.pdf - Elektrizitätslehre – Formeln kompakt:
https://www.leifiphysik.de/elektrizitaetslehre/komplexere-schaltkreise/grundwissen/elektrizitaetslehre-formeln
Vertiefung
- Elektrische Ladung (Wikipedia):
https://de.wikipedia.org/wiki/Elektrische_Ladung - Elektronik-Kompendium – Grundlagen:
https://www.elektronik-kompendium.de - Fachbuch Elektrotechnik – Grundlagen:
https://www.elektrotechnik-fachbuch.de/e_grundlagen_kap_01.html
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